Weltklimabericht bestätigt TIWAG-Strategie
INNSBRUCK (10.07.2007). Energie wird weltweit knapper und teurer. Der Weltklimabericht der UNO und die neue Energiestrategie der EU-Kommission führen uns drastisch vor Augen, dass wir den Ausstoß klimaschädlicher Luftschadstoffe senken und die Energie effizienter nutzen müssen. Vor allem aber gilt es, den Anteil der Erzeugung aus erneuerbaren Energieträgern deutlich anzuheben. Die TIWAG hat schon vor drei Jahren vorgeschlagen, die heimische, erneuerbare, kostenstabile und CO2-freie Wasserkraft angemessen und in umweltverträglicher Weise auszubauen. Mit einem vorsichtigen Ausbau der heimischen Wasserkräfte gewährleisten wir eine weiterhin sichere, preiswerte und ökologisch verträgliche Stromversorgung Tirols. Darüber hinaus schaffen wir Arbeit, Wertschöpfung und industrielle Entwicklung im eigenen Land und tragen zur Sicherung der wirtschaftlichen und sozialen Lebensgrundlagen der nächsten Generation bei. Dies betonte TIWAG-Vorstandsvorsitzender Dr. Bruno Wallnöfer gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen DI Alfred Fraidl in Innsbruck bei der jüngsten Information über die Ausrichtung der Unternehmenspolitik auf die letztaktuellen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen und klimapolitischen Erfordernisse.
Wallnöfer: "UNO und EU sowie die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel haben unsere TIWAG-Strategie aus dem Jahr 2004 eindrucksvoll bestätigt, ebenso die energiepolitische Leitentscheidung der Landesregierung und des Landtages vom Sommer 2006, die heimischen Wasserkräfte angemessen und maßvoll auszubauen. Denn die Stromerzeugung aus CO2-freier Wasserkraft trägt aktiv zum Umweltschutz, zum Klimaschutz und zum Gletscherschutz bei. Mit einer zusätzlichen Erzeugung von ca. 1.100 GWh Wasserkraftstrom aus natürlichem Zufluss im Endausbau der vier von TIWAG verfolgten Projekte substituieren wir gegenüber kalorischer Erzeugung, z.B. in Kohlekraftwerken, eine jährliche CO2-Emission von ca. 900.000 Tonnen."
Univ.-Prof. Dr. Klaus Schöpf, Leiter der Plasma- und Energiephysik am Institut für Theoretische Physik der Universität Innsbruck, unterstrich die Warnungen des UNO-Klimabeirates bezüglich der zu 90 % vom Menschen verursachten globalen Erwärmung (drohender Temperaturanstieg bis 2100 um bis zu 6 °C), die zum sofortigen Handeln auffordere. Irreversible Folgen für Mensch und Natur können nur mittels einer drastischen Reduktion der Treibhausgasemissionen hintangehalten werden. Schöpf erläuterte die komplexen ökonomischen und ökologischen Zusammenhänge und mögliche Ansätze zur Beantwortung der zentralen Frage: Wie lässt sich angesichts des drohenden Klimawandels, der rasant steigenden weltweiten Energienachfrage und der begrenzten Ressourcenverfügbarkeit eine saubere und zugleich wirtschaftliche Energieversorgung sicherstellen?
Fraidl: TIWAG forciert Energiesparen und Energieeffizienz
"Der notwendige Ausbau der heimischen Wasserkraft ist nur ein Teil der TIWAG-Zukunftsstrategie", betonte Vorstandsdirektor DI Fraidl. "Wir wollen ihn um zusätzliche Akzente zur Förderung alternativer Energieträger und für einen möglichst effizienten Energieeinsatz ergänzen. Wir sind überzeugt, damit in Tirol gemeinsam auf dem richtigen Weg zu sein, als Vordenker seit drei Jahren schon." Derzeit betreibt die TIWAG drei Biomasse-Fernheizkraftwerke in Lienz, Kufstein und Längenfeld. Aufgrund der kritischen wirtschaftlichen Lage der Stadtwärme Lienz GmbH − seit Inbetriebnahme im Jahr 2001 wurden fast 6 Millionen Euro Betriebsverluste eingefahren − hat die TIWAG den beiden Mitgesellschaftern, der Steirischen Gas- und Wärme GmbH sowie der Stadtgemeinde Lienz, angeboten, deren Geschäftsanteile zu übernehmen und wird die Stadtwärme Lienz in der Folge durch Zuführung von frischem Kapital sanieren. "Sohin werden wir nochmals ca. 7 Millionen Euro in die Hand nehmen, um den Bestand einer umweltfreundlichen Fernwärmeversorgung im Lienzer Becken nachhaltig zu sichern", so Fraidl.
Die TIWAG prüft auch Solarstromaktivitäten und eine Zusammenarbeit mit dem Steinacher Photovoltaik-Pionier SOLON Hilber. Fraidl: "Demnächst kaufen wir einen Solarmover. Außerdem wollen wir neue Lärmschutzwände entlang der Autobahn als Trägersystem für Solaranlagen nutzen. Wir sind zuversichtlich, dass wir 2008 ein Pilotprojekt starten können."
Große Erwatungen setzt die TIWAG auch auf verstärkte Forschung und Entwicklung im neuen "Kompetenzzentrum für erneuerbare Energie" im Rahmen der Tiroler Zukunftsstiftung, dessen Partner die TIWAG ist.
Die TIWAG hat mit 01. Jänner 2007 die Förderung für Wärmepumpen bis zu 10 kW Leistung verdoppelt. Damit schießt die TIWAG bis zu Euro 300,-- pro kW Anschlussleistung zu, maximal Euro 3.000,--. "Darüber hinaus bereiten wir eine Elektrogeräte-Tauschaktion für das Winterhalbjahr 2007/2008 vor", berichtete Fraidl. Damit will die TIWAG die Bevölkerung durch eine Bonuszahlung motivieren, alte und stromfressende Kühlschränke durch moderne, energiesparende Geräte zu ersetzen.
Wallnöfer: TIWAG-Masterplan zur Umsetzung der Kraftwerksprojekte ist gut auf Schiene
Wie im Oktober 2006 angekündigt, wird derzeit die beabsichtigte Erweiterung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz mit den Beteiligten, Sachverständigen und Behörden startreif gemacht. Wallnöfer: "Wir sind planmäßig unterwegs. Die notwendigen Erkundungs- und Beweissicherungsmaßnahmen im Gelände wurden eingeleitet. Derzeit werden die Sachverständigen bestellt, deren − zumindest − 15 Fachbeiträge die Grundlage der späteren Umweltverträglichkeitserklärung (UVE) bilden werden."
Parallel hiezu wird das technische Projekt von den Experten der TIWAG weiter detailliert und optimiert, berichtet Vorstandsdirektor DI Fraidl. Beeinträchtigungen im Zuge der Bauführung können durch ein nochmals optimiertes Baumanagement/Baulogistik weiter reduziert werden. Der künftige Speichersee "Kühtai" im hinteren Längental und das neue Pumpspeicherkraftwerk "Kühtai 2" werden über einen Druckstollen mit dem bestehenden großen Speicher Finstertal kommunizieren.
"Für uns ganz wichtig bleiben Information, Dialog und Begegnung mit allen Beteiligten. Ruhig, sachlich und ernsthaft", betont Fraidl. Im Frühjahr 2007 wurde der letztaktuelle Projektstand mit den Gemeindevertretungen der Standortgemeinden Silz, Längenfeld und Neustift im Detail erörtert.
Für die weitere Bearbeitung des Projektvorschlages für den Ausbau des Kaunertalkraftwerkes zu einer Kraftwerksgruppe ergeben sich neue, wesentliche Gesichtspunkte, ergänzt Vorstandsvorsitzender Dr. Wallnöfer: "Mit der vom Tiroler Landtag in der letzten Woche beschlossenen Novelle zum Naturschutzgesetz haben wir jene zusätzliche Rechts- und Planungssicherheit, die für eine seriöse Weiterbearbeitung des Projektes unerlässlich ist. Dazu kommt der Wunsch des Herrn Landeshauptmannes DDr. Herwig van Staa, bestimmte Anlagenteile des künftigen Kaunertalprojektes − konkret die Wasserüberleitung von der Venter- und Gurglerache in den Gepatschspeicher − nach Möglichkeit vorzuziehen, um den Hochwasserschutz für das Ötztal rasch verbessern zu können." Die TIWAG wird diese neue Situation mit den Bürgermeistern, Gemeindevertretern, Agrariern, Touristikern und Beteiligten in der Projektregion erörtern und die Möglichkeit prüfen, die Projektentwicklung für den Ausbau des Kaunertalkraftwerkes zu forcieren, ohne die Verfahrensvorbereitung für Sellrain-Silz zu beeinträchtigen, fasst Wallnöfer zusammen.
Die Kraftwerksprojekte im Malfontal und in Osttirol (Projekt einer Kraftwerksgruppe Landegg/Tauernbach als Alternative zu Raneburg/Matrei) werden ebenfalls weiterbearbeitet.
Tirol − Energiestandort mit Zukunft
Wenn wir die aufgezeigten energie- und umweltpolitischen Rahmenbedingungen miteinander vernetzen, so erweist sich Tirol als Energiestandort mit Zukunft von europäischem Format. Schon bisher hatte Tirol aus der alpinen Topographie den einmaligen Standortvorteil, ja geradezu das Alleinstellungsmerkmal, Spitzenstrom aus Speicherwasserkraft zu erzeugen und dieses wertvolle Produkt gegen jeweils größere Mengen Grundlaststrom, der für ein jahresdurchgängig funktionierendes Stromversorgungssystem unverzichtbar ist, einzutauschen. Inzwischen hat die Grundsatzentscheidung der Tiroler Energiepolitik vom Sommer 2006, einen angemessenen und maßvollen Ausbau der heimischen Wasserkräfte wieder aufzunehmen, den Rückenwind auch vom Weltklimabericht der UNO und vom Energie- und Klimapaket der europäischen Kommission erhalten: Wasserkraftstrom ist nachhaltig und CO2-frei; der weitere Wasserkraftausbau daher eine Säule nicht nur der Energie- sondern auch der Nachhaltigkeits- und Klimapolitik sowie des Gletscherschutzes.
Die hohe technische Kompetenz und gesellschaftspolitische Verantwortung der TIWAG, ein modernes Wasserrechtsgesetz, anspruchsvolle Umweltvorschriften und die Notwendigkeit, jedes einzelne Ausbauprojekt einer strengen Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) mit Bürgerbeteiligung zu unterziehen, stellen von vornherein sicher, dass nur umweltverträgliche Projekte eine Genehmigung erhalten werden, fassen Wallnöfer und Fraidl zusammen und sehen die TIWAG-Strategie mit ihren Eckpfeilern "Ressourcennutzung − Energieversorgungssicherheit − effiziente Energieverwendung" international und national bestätigt.
Download pdf: Statement Ao. Univ.Prof. Dr. Klaus Schöpf
Download pdf: Projektübersicht Sellrain-Silz
