TIWAG-Masterplan auf Schiene - Wallnöfer präsentiert optimiertes Projekt zum Ausbau des Kaunertalkraftwerkes
INNSBRUCK (10.10.2008). "In den letzten Monaten haben wir das Gesamtprojekt in Bezug auf die im Kaunertal gelegenen wesentlichen Anlagenteile nochmals grundlegend überarbeitet und regionalpolitisch, energiewirtschaftlich und ökologisch optimiert", erklärte TIWAG-Vorstandsvorsitzender Dr. Bruno Wallnöfer gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen DI Alfred Fraidl und Bürgermeistern aus der Projektregion bei der Präsentation in Innsbruck. Wallnöfer ist zuversichtlich, "dass wir damit den Menschen in der Region ein vernünftiges Angebot machen können". Für das Ötztal und das Pitztal ergeben sich keine Änderungen.
Wie bei der Vorstellung des TIWAG-Masterplanes zum Ausbau der Wasserkraft am 18. Oktober 2006 angekündigt, soll nun neben den Aktivitäten zum Ausbau der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz das Kaunertalprojekt verfahrensreif gemacht werden, betonte Wallnöfer: "Gestern haben wir den nochmals wesentlich verbesserten Projektvorschlag den Gemeinderäten von Kaunertal, Prutz und Fendels sowie den Obleuten der Agrargemeinschaften vorgestellt. Nun wollen wir uns Zeit für eine intensive Diskussion mit allen Beteiligten im Rahmen unseres Programms Dialog und Begegnung' nehmen."
Stärkung der Eigenerzeugung, mehr Hochwasserschutz
Nach Fertigstellung werden ca. 650 Gigawattstunden Wasserkraftstrom aus natürlichem Zufluss zusätzlich erzeugt und damit im Vergleich zu kalorischer Erzeugung rund 500.000 Tonnen CO2 jährlich substituiert. Großen Wert legt die TIWAG auf Zusatznutzen für die Projektregionen durch Infrastruktur- und Ausgleichsmaßnahmen sowie regionale Zukunftspakete. Insbesondere für das Ötztal kann ein wirksamer Hochwasserschutz ohne zusätzliche Verfahren, Schutzbauten und öffentliche Gelder hergestellt werden.
Die wesentlichen Bestandteile des Drei-Täler-ProjektesTIWAG-Vorstandsdirektor DI Alfred Fraidl erläutert die Funktionsweise und die wesentlichen Bestandteile der letztoptimierten Fassung des Drei-Täler-Projektes:
- Im Ötztal sind − wie bisher - zwei große Wasserfassungen an der Gurgler und an der Venter Ache − jeweils unterhalb der Ortschaften Obergurgl und Vent - sowie zwei kleine Wasserfassungen vorgesehen. Die gefassten Wässer werden in den Gepatschspeicher im Kaunertal übergeleitet.
- Im Taschach im hinteren Pitztal liegt − wie bisher - der vorgeschlagene Standort für den Oberstufenspeicher. Die Zustimmung der Grundeigentümer zu den notwendigen Erkundungs- und Beweissicherungsmaßnahmen wurde bereits erteilt.
- Im Zuge der vertieften Projektbearbeitung und der notwendigen Variantenprüfung gemäß UVP-Gesetz hat die TIWAG nunmehr einen weiteren geeigneten Speicherstandort ausfindig gemacht, und zwar im Bereich Fernergries im hintersten Kaunertal. Auch diese Standortalternative soll nun einer vertieften Beurteilung unterzogen werden.
- Im Kaunertal liegen auch die Schwerpunkte der sonstigen Überarbeitung und Optimierung und zwar mit ganz erheblichen Veränderungen und Verbesserungen gegenüber dem letzten Planungsstand.
- Das vorgesehene Oberstufen-Krafthaus verbleibt eingeschüttet beim Dammfuß des Staudammes Gepatsch.
- Der bestehende alte Triebwasserweg wird stillgelegt und als Stollen zur Führung einer 220 kV-Kabelleitung zum Stromtransport zwischen Ober- und Unterstufenkraftwerk verwendet. Damit kann die bisher vorgeschlagene neue Hochspannungsfreileitung durch das Kaunertal zur Gänze entfallen.
- Somit wird der künftige Triebwasserweg zwischen Gepatsch und Prutz nach dem letzten Stand der Technik neu gebaut. Die bisher im Kaunergrat vorgesehene Errichtung eines zweiten Triebwasserstollens entfällt ebenfalls.
- Für das Unterstufenkraftwerk Prutz 2 wurde ein neuer Standort entwickelt und zwar nicht mehr in der Gemeinde Faggen sondern neben dem bestehenden Krafthaus Prutz 1.
- Die bestehende alte Freiluftschaltanlage neben dem Kraftwerk Prutz wird durch eine viel kleinere, moderne und gekapselte Schaltanlage ersetzt. Dadurch werden erhebliche Flächen für die Ortsentwicklung von Prutz frei.
- Die TIWAG hat sich entschlossen, bereits im Vorfeld des geplanten Ausbaues die bestehenden schon über 40 Jahre alten Anlageteile zu ertüchtigen und an den aktuellen Stand der Technik heranzuführen. Diese Teilerneuerung ist bereits im Gang. Der Druckabstieg vom bestehenden Wasserschloss Burgschrofen zum Krafthaus Prutz soll als eigener Bauabschnitt jedenfalls neu errichtet werden.
ÖBB-Konkurrenzprojekt
Besorgt verweist Wallnöfer auf diverse Kraftwerks-Konkurrenzprojekte im Ötztal, insbesondere auf jenes der ÖBB. Wallnöfer: "Wir haben nicht beliebig viel Zeit. Bekanntlich wurde die Stromerzeugung liberalisiert, sodass heute jeder ein Projekt einreichen und die heimische Ressource Wasser für sich nutzen kann. Bei Untätigkeit laufen wir Gefahr, dass energiewirtschaftlich schlechtere Projekte zur Ausführung kommen, die auch das Ziel des Hochwasserschutzes für das Ötztal nicht erreichen können. Damit würden wichtige Tiroler Interessen auf der Strecke bleiben. Wir werden uns daher auf ein sogenanntes Widerstreitverfahren vor der Behörde vorbereiten."

PK Pavillon_10.10.08
