Grünes Licht für Erweiterung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz
Der TIWAG-Vorstand wird in der Aufsichtsratssitzung am 18. Dezember vorschlagen, die Projektunter-lagen zur Erweiterung der Pumpspeicher-Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz noch vor Weihnachten bei der UVP-Behörde einzureichen. "Dies ist der entscheidende Meilenstein zur Erweiterung der bestehenden Kraftwerksgruppe", betonte Vorstandsvorsitzender Dr. Bruno Wallnöfer gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen DI Alfred Fraidl in Innsbruck. Bekanntlich sollen ein zusätzlicher Speicher im Kühtai, ein weiteres Kavernenkraftwerk und Wasserbeileitungen aus dem Ötz- und Stubaital errichtet werden.
Abgrenzung der Altanlage zum Erweiterungsbau geklärt
Voraussetzung für den nun rechtlich gesicherten Einreichschritt war die Entscheidung der wesentlichen Rechtsfrage, ob überhaupt und inwieweit auch Teile der bestehenden Kraftwerksanlage vom Bewilligungsverfahren für den Erweiterungsbau berührt werden.
Erst in der letzten Woche hat die UVP-Behörde über Ersuchen der TIWAG klar gestellt, dass Anlagenteile der bestehenden Kraftwerksgruppe im Verfahren nur ausnahmsweise und nur unter ganz besonderen Voraussetzungen mitbeurteilt werden dürfen. Diese Voraussetzungen liegen hinsichtlich der bestehenden Wasserzuleitungen zur Altanlage jedenfalls nicht vor.
Diese Abgrenzung ist aus der Sicht der TIWAG ausreichend und sichert die Wirtschaftlichkeit des Erweiterungsbaues.
Voll im Zeitplan
Das Projekt Sellrain-Silz wurde nach der Entscheidung der Landesregierung im Jahr 2006 für vier der ursprünglich 16 Projekte des Optionenberichtes im Rahmen des TIWAG-Masterplanes intensiv bearbeitet. Fraidl: "In den letzten zweieinhalb Jahren arbeiteten Hunderte Fachleute aus den Bereichen Umweltwissenschaften, Bautechnik, Maschinen- und Elektrotechnik, Energiewirtschaft, Recht, Betriebs- und Finanzwirtschaft mit höchster Kompetenz am Einreichprojekt."
Bereits in einem dreitägigen Hearing vom 23. bis 25. November 2009 hat die bei der Obersten Wasserrechtsbehörde eingerichtete Staubeckenkommission die technische Konfiguration und Standsicherheit des im Längental zu errichtenden Speicherbauwerks positiv begutachtet. Die Staubeckenkommission besteht aus ca. 40 höchstrangigen Experten aus den Fachbereichten Wasserbau, Talsperrenbau, Bodenmechanik, Betonbau, Untertagebau, Geologie, Maschinenbau usw. unter dem Vorsitz von Sektionschef DI Wilfried Schimon.
10.800 Seiten und 530 Pläne
Das eindrucksvolle, im Sinne der Gesetzeslage zu erstellende Einreichoperat präsentierten Wallnöfer und Fraidl in mit 10.800 Seiten und rund 530 Plänen prall gefüllten 38 Ordnern. Nach Komplettierung und dem Druck von 60 Exemplaren kann der Behördenlauf nach Aufsichtsratsgenehmigung demnächst starten.
Ökologie und Ökonomie im Einklang
Das einreichfertige Vorhaben wurde im Rahmen des Kommunikationsschwerpunktes "Dialog und Begegnung" in unzähligen Gesprächen mit allen Beteiligten mehrfach optimiert und insgesamt deutlich verkleinert.
So wurde das Beileitungssystem von 36 auf 24 km verkürzt. Auf die Nutzung der Bäche Sulzau und Langetal im Stubaital sowie Simming im Gschnitztal wurde verzichtet. Das bedeutet, dass vor allem der Grawa-Wasserfall im Stubai und weitere landschaftsprägende Elemente unberührt bleiben.
Dennoch steigt, wenngleich bei geringerer Gesamterzeugung, die Wirtschaftlichkeit, wie Fraidl erklärt: "Das neue Konzept entlastet den Speicher Längental und erlaubt eine wesentlich verbesserte und flexiblere Betriebsführung der künftigen Gesamtanlage." Die Gespräche mit den Standortgemeinden Silz, Längenfeld und Neustift werden intensiv weiter geführt.
460 Mio. € für die Stärkung der Eigenerzeugung
Wallnöfer und Fraidl freuen sich über diese wichtige Weichenstellung für Tirol, die die Wirtschaftskraft und Beschäftigung im Lande beträchtlich stärken wird. So sollen in das Projekt 460 Millionen € (Preisbasis 2009) investiert und - nach Fertigstellung voraussichtlich im Jahr 2017 – rund 500 GWh wertvoller Spitzenstrom pro Jahr zusätzlich erzeugt werden. Wallnöfer: "Da gerade Deutschland die Windkraft stark ausbaut, braucht es aufgrund der naturgemäß schwankenden Windstromeinspeisung mehr denn je blitzartig verfügbare Ausgleichsenergie. Pumpspeicherkraftwerke sind der wichtigste Partner der Windkraft."
Herbstoffensive der TIWAG greift
Seit Herbstbeginn geht es also Schlag auf Schlag: Nach der Präsentation des Regionalkraftwerkes Inn bei Kundl/Breitenbach (150 Mio. €) und des Projektes Tauernbach (100 Mio. €) unterstreicht die TIWAG nun mit der Einreichung der Erweiterung Sellrain-Silz (460 Mio. €) die Offensivkraft des Unternehmens – zum Wohle der Tirolerinnen und Tiroler. Damit kann Tirol – zeitgleich zur großen Klimakonferenz in Kopenhagen – auch einen engagierten Beitrag zu einer aktiven Klimapolitik und Begrenzung der CO2-Emissionen leisten. Nach Inbetriebnahme werden die drei vorerwähnten Projekte – wobei der Wälzanteil des Kraftwerkes Kühtai außer Acht bleibt – zirka 470 GWh Wasserkraftstrom aus natürlichem Zufluss erzeugen und damit zirka 360.000 Tonnen CO2-Emission jährlich ersetzen.

Präsentation des Einreich-Operats für das Projekt Erweiterung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz.
