Ausbau Kaunertal-Kraftwerk:TIWAG stellt Speicher-Alternative zur Diskussion
Für den geplanten Ausbau des Kaunertal-Kraftwerkes wird jedenfalls ein zweiter Speichersee benötigt. Unter den angedacht gewesenen Lösungen hat die TIWAG zuletzt die möglichen Standorte Taschach im Pitztal und Fernergrieß im hinteren Kaunertal intensiv untersucht und bearbeitet.
Die möglichen Speicher in Taschach oder Fernergrieß würden Nutzinhalte von jeweils ca. 65 Mio. m³ aufweisen, dies bei Dammhöhen von 145 bis 170 Metern mit Schüttvolumina von fast 16 Mio. m³.
Als vorläufiges Ergebnis der fachkundigen Bearbeitung zeigt sich nun, dass beide Standort-Varianten nicht leicht realisierbar sein werden. Es zeichnen sich beträchtliche geologische und bautechnische Probleme ab, die nur mit unverhältnismäßig hohen Kosten gelöst werden könnten. Hingegen würde die allseits bekannte Widmung der beiden Standorte als Natura 2000-Gebiete eine Genehmigung zwar erschweren, nach herrschender Rechtsmeinung aber keineswegs unmöglich machen.
Alternative Platzertal: Kleinerer Speicher, größere Fallhöhe
Die TIWAG präsentiert daher nunmehr den Standort "Platzertal" im Gemeindegebiet Pfunds als Alternative.
Der mögliche Standort liegt westlich des Gepatschspeichers auf rund 2200 Metern Seehöhe. Geplant sind ein Speichersee mit einem Nutzinhalt von 42 Mio. m³ und ein Steinschüttdamm mit ca. 120 Metern Höhe sowie einem Schüttvolumen von ca. 7,8 Mio. m³. Dies ist deutlich weniger als bei der Variante Taschach bzw. Fernergrieß. Die wesentlich größere Fallhöhe macht dieses Projekt dessen ungeachtet sehr interessant. Der projektierte Speichersee wird zum größten Teil durch Pumpen aus dem Speicher Gepatsch gefüllt. Einziger natürlicher Zufluss in den Speicher wäre der Platzerbach. Aufgrund der zahlreichen Zuflüsse unterhalb des Staudammes würde die Wasserführung im Unterlauf des Baches kaum verringert.
Almgebäude und Bergwerksreste bleiben erhalten
Grundeigentümerin im Speichergebiet ist die Österreichische Bundesforste AG. Bauern aus der Gemeinde Tösens besitzen Auftriebsrechte für die Platzeralm. Das bestehende Almgebäude und ein Großteil der Weideflächen würden vom Speicher nicht berührt. Auch das aufgelassene Bergwerk liegt oberhalb des Stauzieles.
Unterirdische Erschließung
Der Damm könnte sehr schonend gebaut werden. Denn die Baustelle soll unterirdisch durch einen Zufahrtstollen vom Speicher Gepatsch aus erschlossen werden. Damit sind keinerlei oberirdische Aufschließungswege von Pfunds oder Tösens aus notwendig. Die bestehenden Forst- und Almwege werden ebenfalls nicht belastet, weil sie für die Bauzufahrt nicht benötigt werden.
Platzertal: "Interessante Alternative"
"Der Standort Platzertal stellt sich als energiewirtschaftlich und ökologisch sehr interessante Variante dar", betont TIWAG Vorstandsvorsitzender Dr. Bruno Wallnöfer. Das Speichervolumen sei vergleichsweise moderat, die geologischen Verhältnisse werden als günstig beurteilt und es bestehe auch die Chance einer besonders schonenden Bauausführung.
Bevölkerung angemessen beteiligen
Die TIWAG wird nach Information der wesentlichen Beteiligten in den Projektgemeinden die Planungen vor Ort vorstellen und die Bevölkerung zu einer umfassenden Diskussion im Rahmen des Programmes "Dialog und Begegnung" einladen. Wallnöfer und sein Vorstandskollege DI Alfred Fraidl wollen den Gemeinden vorschlagen, gemeinsam ein "Zukunftspaket" zu schnüren, das der Bevölkerung in der Region eine angemessene Beteiligung an der Wertschöpfung sichert.
