TIWAG richtet Stromtausch ökologisch aus
Ein neu gestalteter Stromtauschvertrag zwischen der TIWAG und der E.ON-Gruppe wird für die nächsten zwölf Jahre zur sicheren Grundlastversorgung und damit zur Stromautonomie in Tirol beitragen. Denn dieser Vertrag über den Tausch von Spitzenstrom aus der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz gegen Bandstromlieferung von E.ON verringert die auch in Zukunft weiter bestehende Grundlast-Versorgungslücke in Tirol zu zeitgemäßen Konditionen. Da der Tauschpartner auf Wunsch der TIWAG künftig zertifizierte Energie aus erneuerbaren Quellen liefern wird, trägt der neue Vertrag auch wesentlich zur Ökologisierung der Tiroler Stromversorgung bei.
E.ON behält dafür für ihren Erzeugungspark in Deutschland Zugang zu einem hochflexiblen Spitzenleistungskraftwerk mit bedarfsgerecht abrufbarer Erzeugung aus Wasserkraft und zusätzlicher Pumpspeicherung zur Regelung und zum Ausgleich von Schwankungen des Verbrauchs und der Einspeisung aus regenerativen Erzeugungsquellen.
Stromtausch auch in Zukunft notwendig
Seit Jahrzehnten stützt sich die sichere und preisgünstige Stromversorgung Tirols auch auf Stromtauschverträge mit deutschen Energiewirtschaftspartnern. Dabei wird der in Deutschland benötigte Spitzenstrom aus Speicherwasserkraft und Stromspeicherkapazität dort zur Verfügung gestellt und im Gegenzug Bandstrom aus Deutschland nach Tirol geliefert, um die Grundlastlücke in Tirol zu schließen. Dieser Stromtausch ist auch in Zukunft notwendig und sinnvoll, weil in Tirol insbesondere im Winterhalbjahr nicht genug Grundlast erzeugt werden kann und in Deutschland zunehmend flexible Kraftwerke mit Stromspeicherung benötigt werden. Auch der beabsichtigte forcierte Ausbau der Wasserkraft in Tirol zur schrittweisen Erlangung einer Stromautonomie ändert grundsätzlich nichts am Erfordernis einer grenzüberschreitenden Kooperation auf Augenhöhe.
Der bisherige Tauschvertrag läuft 2012 aus
Seit 1980 besteht ein Stromtauschvertrag zwischen der TIWAG und dem Rechtsvorgänger der E.ON, der vormaligen Bayernwerke AG. Dieser Vertrag, der den Tausch von Tiroler Spitzenstrom gegen Grundlastlieferung aus Deutschland regelt, läuft am 30.09.2012 aus. Es war nun gemeinsames Ziel der TIWAG und der E.ON, diesen Vertrag neu zu gestalten und den aktuellen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen.
Die Aufsichtsgremien der TIWAG und der E.ON haben daher am 19.12.2011 bzw. am 01.02.2012 die Fortsetzung der energiewirtschaftlichen Kooperation bis 2024 und den Abschluss eines neu gestalteten Stromtauschvertrages genehmigt.
Die Kernpunkte der langjährig bewährten energiewirtschaftlichen Kooperation – nämlich die Nutzung einer Hälfte der Kapazität der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz durch E.ON gegen Lieferung der für Tirol unverzichtbaren Grundlast – bleiben bestehen. Die Grundlastlieferung erfolgt jedoch nun zu neuen und zeitgemäßen Bedingungen. Die wesentlichen Punkte des neuen Vertrages:
o Das Abtauschverhältnis wird nicht mehr auf Kostenbasis, sondern nach Marktpreisen vereinbart. Damit ist ein angemessener Wertaustausch sichergestellt.
o Im Gegensatz zum bisherigen Tauschvertrag leistet TIWAG keinerlei Zuzahlungen z.B. für erzeugungsbezogene Kosten oder für sonstige Aufwendungen und Abgaben. Es ist daher ausschließlich ein Abtausch von hochflexibler Spitzenleistung aus Wasserkraft mit Pumpspeicherung gegen Grundlastlieferung aus Deutschland vereinbart.
o Überdies wird E.ON aus erneuerbaren Quellen erzeugte, zertifizierte Energie gegen Bezahlungen der Zertifikatskosten liefern.
Viele Vorteile
Der künftige Stromtauschvertrag der TIWAG mit der E.ON hat für beide Partner den Vorteil, dass die vorgenannten Tauschleistungen deren Beschaffungsportfolio jeweils sinnvoll ergänzen. Insbesondere für die Stromversorgung Tirols bedeutet dies:
◊ Die in der Tiroler Energiestrategie angestrebte Versorgungssicherheit wird mit dem langfristig gesicherten Bezug von fehlender Grundlast gestärkt.
◊ Der Stromtausch wird auf ein zeitgemäßes und marktorientiertes Modell umgestellt.
◊ Überdies wird die TIWAG mit dem weiteren Ausbau der Wasserkraft in Tirol zusätzliche Beiträge zur Ökologisierung und zur Stärkung der Stromautonomie sowie zur Verringerung von Auslandsabhängigkeiten leisten.
Der aktualisierte Tauschvertrag leistet auch einen konkreten Beitrag zur europäischen Energiepolitik durch das standortgerechte Zusammenwirken der Erzeugungsbeiträge aus Windkraft, Sonnenkraft und Speicherwasserkraft.
